1015 Unterjochung durch die Polen.


Dr. Bernh. Stadie, a. a. O. Seite 8

Die Pommern lebten ursprünglich unabhängig unter eigenen Fürsten, allmählich aber kamen sie in die Abhängigkeit von den benachbarten Polanen. Die Polanen oder Polen, von Ostpommern getrennt durch die Brda, zerfielen in eine Menge kleinerer Stämme und Gemeinschaften, die kein gemeinschaftliches Band zusammenhielt. Unter dem Adel des Landes erhob sich Ende des 9. Jahrhunderts der Stamm der Leschecks zu bedeutendem Ansehen und fürstlicher Macht. Gnesen und Kruschwitz sind ihrer Herrschaft unterworfen. Durch Ermordung der vornehmsten Pane, durch Vertilgung der letzten Sprossen aus dem Stamm der Leschecks befestigte Semovit, dem Stamm der Piasten entsprossen, seine Herrschaft. Sein Reich soll nach des polnischen Chronisten Dlugosz Erzählung Preußen, Pommern und Kassubien umfasst haben, doch ist diese Erzählung historisch nicht beglaubigt. Selbst sein Sohn Lescheck und sein Enkel Ziemomysl, ja sogar Miesco, der Ende des 10. Jahrhunderts das Christentum annahm, haben nach Lelewel`s vorurteilsfreien Forschungen, nicht über Pommern geherrscht. Erst Boleslaw Chrobri d. i. der Tapfere, ausgerüstet mit einem Privilegium des deutschen Kaisers Otto III., unternahm es im Jahre 1015 die Pommern zu unterjochen und sie dem Christentum zuzuführen. Ganz Pommern und Teile Preußens mussten sich seiner Gewalt beugen.