1655 – 1660 Der zweite Schwedenkrieg


Hans Maercker, a. a. O., Wilhelm Fuhrmann, a. a. O.

1654 legte Christina von Schweden die schwedische Königskrone ab und übergab diese Ihrem Vetter Karl Gustav. { }Johann der II. Casimir von Polen verweigerte diesem die Anerkennung und protestierte gegen die Herrschaft. Er nahm selbst den Titel eines Königs von Schweden an.{ }Dies wurde als Bruch des Waffenstillstandsabkommens angesehen und Karl X. August von Schweden führte einen neuen Feldzug gegen Polen. Der Vorstoß erfolgte mit großer Schnelligkeit und großem Glück. Schon bald befand sich ganz Großpolen in der Gewalt Karl X. König Johann II Casimir von Polen musste nach Krakau flüchten. Während der Zeit des zweiten schwedisch- polnischen Krieges in den Jahren 1655 bis 1658 trat die Pest mit einer ungeahnten Heftigkeit auf, dass die Stadt Neuenburg und das Umland des größten Teils Ihrer Bewohner beraubt wurden.

Im Juli 1655 drang ein schwedisches Heer durch Pommern und die Neumark nach Polen ein, wohin der Schwedenkönig Carl Gustav auf demselben Wege folgte. Eine Heeresabteilung unter des Obersten Heinrich Horn Befehl erschien vor Konitz und nahm die Stadt trotz tapferer Gegenwehr der Bürger ein. Am 2.8.1655 musste der Rat der Stadt Neuenburg die Bürger zur Einquartierung eines Rittmeisters und seiner Mannschaften aufrufen. { } Am 20.8.1655 forderte der pommerelischen Woiwode Ludwig Weyer von Starogard aus eine bedeutende Lieferung für das polnische Heer. Am 21. Oktober 1655 nahmen die Truppen von General Horn die Stadt Neuenburg wieder ein. Schwer hatte der Adel der Umgebung zu leiden. Dem Kloster wurden die letzten Habseligkeiten geraubt und alsdann das Kloster in Brand gesteckt, wobei nur 5 Ordensmitglieder dem Tode entrannen. Anfang Oktober 1655 zersprengte der schwedische General Horn vor Schwetz vier Gruppen polnischer Adeliger und griff die Stadt Schwetz an. Er steckte Stadt und Burg in Brand und zwang so die Belagerten zur Übergabe. Vier Companien polnischen Fußvolks mit Ihren Fahnen wurden zu Gefangenen gemacht. General Horn richtete sich nun gegen Konitz, Tuchel und Neuenburg. 1656 kamen die Polen, bei denen der König selbst zugegen war, vor die Stadt Konitz, die von den Schweden besetzt war, und zwangen die Schweden zur Übergabe derselben. Als aber bald darauf der schwedische General Paul Würtz aus Pommern nach Preußen zog, wurde Konitz durch die Schweden von Neuem belagert, die Stadt von der Bürgerschaft aber so tapfer verteidigt, daß Würtz sich derselben nicht bemächtigen konnte. Carl Gustav musste selber mit mehr Heeresmacht kommen, um die Stadt, nachdem am Mühlenthor in die Stadtmauer eine Öffnung geschossen war, einzunehmen und zu plündern. Noch im selben Jahr verließen die Schweden mit reicher Beute freiwillig die Stadt, die gleich darauf wieder von den Polen besetzt wurde.

Die beiden folgenden Jahre 1656 und 1657 machten für das Gebiet des Schwetzer Kreises das Maß aller Leiden voll. War Schwetz auch 1655 niedergebrannt – wahrscheinlich wurde durch dieses Feuer, das städtische und das kirchliche Archiv vernichtet, dessen Reste dann 1674 durch eine Überschwemmung ganz verloren gingen – so hatte sich bei der erneuten Eroberung von Neuenburg die feindliche Gesinnung der Eroberer vornehmlich gegen die Katholiken gekehrt und beispielsweise zu einer Ausraubung des Franziskanerklosters geführt. Die militärischen Requisitionen dauerten fort. Bedeutende Lieferungen wurden am 6. Mai 1656 von dem schwedischen Generalproviantmeister von Graudenz aus, für Stadt und Amt Neuenburg gefordert. In den Magistratsakten, die aus dem Jahre 1656 nur 6, aus dem Jahre 1657 nur 2 Protokolle aufweisen, werden schmerzliche Klagen geführt. Die Stadt wird als ein Trümmerhaufen, die Bevölkerung als ein Auswurf böswilliger Menschen, ohne Rechtschaffenheit und schuldigen Gehorsam beschrieben.

Wann die Schweden Neuenburg verlassen haben, geht aus meiner Literatur nicht hervor. Der Abzug wird für die erste Hälfte des Jahres 1658 geschätzt. Im Januar 1659 kam es zu förmlicher Plünderung des ganzen Neuenburger Gebietes und der Stadt selber. 1658, 1659 die Polen zogen 1658 aus Konitz ab und im Januar 1659 fanden sich die Schweden abermals vor der Stadt Konitz ein und verlangten von der Stadt freien Durchzug und Reiterzehrung. Da ihnen ihre Forderung verweigert wurde, erstürmten sie die Stadt und nahmen, was von der vorigen Plünderung noch übrig geblieben war.