1000. Das Volk, das diese Gegenden bewohnte.


Dr. Bernh. Stadie, a. a. O. Seite 7.

Sehen wir nun auf das Volk, das diese Gegenden bewohnte, und spüren wir ihren Bräuchen nach. Der germanischen Sitte entgegen lebten die Wenden gemeinschaftlich in Dörfern und Städten. In Körperbeschaffenheit glichen Sie den benachbarten Polanen. Ihr Körper war kurz, gedrungen, die Linien des Gesichtes sanft und rund. Das Auge war dunkel, braun und grün, das Haar straff und meißtens von dunkler Farbe. Ihr Körper war an Entbehrungen gewöhnt, abgehärtet, den Wechsel des Klimas verspottend, zur Erzeugung schwerer Arbeiten vorzüglich geeignet. Es gab unter Ihnen Freie und Sklaven. Das Zeichen des freien Mannes war der Speer, der beim Ausgehen stets getragen wurde. Ursprünglich alle gleich erhob Tapferkeit im Kampfe, Kühnheit und Mut auf der Jagd, den Einzelnen zu bevorzugter Stellung. In öffentlicher Versammlung wurde über Gemeindeangelegenheiten entschieden. Ein Pan oder Zupan führte den Vorsitz. In späterer Zeit entwickelte sich infolge der vielen Kämpfe gegen die benachbarten Völker ein Kriegsadel, die Woiwoden (d. i. Anführer im Krieg), die sich wieder ihre Unterfeldherren (Bojaren) aus den Tapfersten wählten. Oft hießen sie auch Gnesen oder Gnesiota (d. i. Fürstlichkeit). Die Pommern liebten Gesang und Tanz. Sackpfeife, Hörnchen, Flöte, Zither durften bei keinem Schmause fehlen. An Gelagen fanden sie großen Gefallen. Ackerbau, Jagd, Viehzucht, Bienenpflege war des freien Mannes Beschäftigung. Roggen, Hafer, Gerste, Mohn, Flachs und Hanf waren die Produkte, die der pommersche Wende dem Boden abgewann; Obstzucht, höchstens Kirsche oder Pflaume, wurde wenig kultiviert.