1569 Das Incorporationspriviliegium


Hans Maercker. Eine polnische Starostei und ein preußischer Landkreis. Geschichte des Schwetzer Kreises 1473-1873 (= Wegner, Band 2), Danzig 1886 (= Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins, Hefte 17-19)

Polnisch Preußen hatte einen eigenen, von der Krone eingesetzten Landesrat. Dieser bestand aus zwei Abteilungen. Der ersten Abteilung gehörten an, die drei Woiwoden, die drei Kastellane, die drei Unterkämmerer, die Bischöfe von Kulm und dem Ermland sowie je zwei Vertreter der Städte Danzig, Elbling und Thorn. In der zweiten Kammer waren die Landboten des Landadels und die Abgeordneten der kleineren Städte Mitglied. Der Bischof von Ermland führte den Vorsitz. Die ordentlichen Sitzungen fanden am Stanislaitag im Mai und am Michaelistag im September eines jeden Jahres statt. Diesen sogenannten großen Landtagen gingen kleine Landtage in den jeweiligen Woiwodschaften voraus. In allen Versammlungen des Landesrats galt der polnische Grundsatz, dass jeder einzelne Edelmann durch seinen Widerspruch (nie pozwalam) die Versammlung zur Auflösung zwingen konnte. In den späteren Jahren waren diese, dem ehemaligen Ordensland gewährten Sonderrechte der Krone lästig und es gab Bestrebungen diese abzuschaffen. Die Mitglieder im Landesrat von Polnisch-Preußen hielten sich dem Reichstag fern, um zu vermeiden an dort gefasste Beschlüsse gebunden zu sein. Im Jahre 1569 gab man diese starre Haltung auf und die Mitglieder des Landesrats nahmen am Reichstag teil. Es war eine Prüfung der Polnisch-Preußen gewährten Privilegien zu prüfen und festzustellen. Stattdessen erließ der Reichstag ein Dekret, welches den Preußen ein für alle Mal die Beschickung des Reichstages nach polnischer Weise durch Räte und Landboten befahl. Damit war der erste Meilenstein gesetzt, mehr Einfluss in Polnisch-Preußen zu erhalten. Die endgültige Aufhebung der Privilegien dauerte aber noch bis zum Jahre 1768.