1306. Polen übernimmt die Macht in Pommerellen. Brandenburg greift mit großer Heeresmacht an.


Dr. Bernh. Stadie, a. a. O. Seite

D25 ff., Wilhelm Fuhrmann, a. a. O.

Doch bevor Brandenburg dieses Land in Besitz nehmen konnte, war Wladyslaw Loktiek (wieder König in Polen) bereits 1306 zuvorgekommen. Da er die Swenza`s als seine Gegner kannte, entsetzte er sie aller Ämter und ernannte neue Stadthalter, nämlich seine Neffen der Herzog Prczemislaw von Kujawien in Leslau zum Stadthalter von Schwetz und Kasimir von Kujawien in Gniewkowo zum Stadthalter von Dirschau. Eigenmächtig behauptete sich Peter Swenza in Neuenburg und schloss sich eng an die Brandenburger an. Mit großer Heeresmacht rückten diese in das Land, eroberten sämtliche Städte und Burgen und standen bereits Anfang September vor Danzig, der Hauptstadt Ostpommerns, nachdem sie die Gegend um Lübschau herum, also einen Teil des Stargarder Kreises fürchterlich verwüstet hatten. Der polnische Hauptmann Danzigs, ohne Hilfe mitten in einer von Deutschen bewohnten Stadt, die den Polen feindlich gesinnt waren, musste die Stadt den Brandenburgern einräumen, nur die Burg verteidigte er mannhaft gegen den Ansturm der Feinde. Als er erkannte, dass er von Wladyslaw im Stich gelassen, allein sich nicht mehr halten konnte, schloss er mit dem deutschen Ritterorden einen Vertrag, nach welchem dieser zur Hälfte die Burg besetzen und ein Jahr hindurch verteidigen sollte, zugleich übernahm Polen die Verpflichtung, die Kriegskosten dem Orden zu zahlen, und bis diese bezahlt seien, den Orden im Besitz der Burg zu lassen. Die Verstärkung der Besetzung Danzigs sowohl, als auch die Nähe des Winters veranlassten die Brandenburger die Belagerung aufzugeben und sich in den Kreis Stargard zurückzuziehen, wo sie am See Cholup () oder Gollub gelagert, die Besitzungen der Johanniter verwüsteten. … Nachdem die Polen durch die Ordensritter aus der Not befreit waren, verlangten sie den Abzug derselben aus der Burg. Diese jedoch, da das ihnen vertragsmäßig zugesicherte Besatzungsrecht auf ein Jahr noch nicht erloschen war, auch keine Kriegsentschädigung gezahlt war, verweigerten den Abzug aus der Burg. Als nun gar die Polen trotzig drohten, wurde Bogussa mit den Vornehmsten festgenommen, die polnische Besatzung verjagt und die Stadt Danzig erobert. Nunmehr konnte der Orden nicht stehen bleiben, sondern musste, um sich den Besitz Danzigs zu sichern, dieses Gebiet mit seinem anderen im Kreis Stargard liegenden Besitzungen durch die Eroberung Dirschaus verbinden und übrigen Weichselstädte Neuenburg und Schwetz in seine Gewalt bringen. …. … dass Dirschau eine harte Belagerung aushielt, indem Burg und Besatzung heftigen Widerstand leisteten und beim Sturme Stadt und Burg in Flammen aufgingen. … das harte Urteil, dass der Orden am 6. Februar 1309 über Dirschaus Bürger verhängte, die er aus der Stadt verjagt mit der Bedingung, sich nicht ohne Erlaubnis des Ordens dort oder auf pommerschem Boden niederzulassen, wofern nicht der Hochmeister Gnade übt. Auch sind Wurfmaschinen in Anwendung gekommen, woraus ebenfalls zu schließen, dass die Sache nicht so schnell gegangen, da deren Aufstellung Zeit kostete. Der deutsche Orden fuhr mit seinen Eroberungen in Pommerellen fort. Ende 1309 ist der Orden im Besitz von Neuenburg und Schwetz und unterwarf von hier nach Westen vordringend, Konitz, Schlochau, Tuchel usw. Gegen die Besiegten verfuhr der Orden außerordentlich streng. Viele Ritter und Edle, welche des Einverständnisses mit den Polen verdächtigt waren, mussten ihre Güter verlassen und die Städter, wie wir bei Dirschau gesehen, wurden entweder vertrieben oder mit hohen Steuern gebrandschatzt. Um nun neben dem Besitzrechte durch Eroberung auch noch einen anderen Rechtstitel zu haben, schloss der deutsche Orden einen Vertrag mit dem Markgrafen von Brandenburg, welcher ihm seine Ansprüche auf Ostpommern abtrat. Schon Kaiser Friedrich II. hatte im Dezember 1231 die Askanier mit dem Herzogtum Pommern belehnt, 1295 hatte Adolph von Nassau dieses Privilegium erneuert. Diese Ansprüche sowohl, als auch die von Mistwin II. den Markgrafen Otto, Conrad und Johann zuerkannte Lehnshoheit trat im Vertrag zu Soldin am 13. September 1309 Markgraf Waldemar von Brandenburg ab und verkaufte für 10.000 Mark die Gebiete von Danzig, Dirschau und Schwetz an den Orden. Es dauerte bis zum Jahre 1330 bis alle Verwandte von Waldemar den Vertrag anerkannt hatten. Der Orden war nun bemüht durch Ankauf von Gütern, eingeborener Pane, seinen Besitz zu vergrößern.