Die Schreibung der Namen.


in kirchlichen und staatlichen Büchern.

Als die meisten Menschen noch nicht schreiben oder lesen konnten , wurden Namen in den Kirchenbüchern oder Dokumenten der Stadt, der örtlichen oder regionalen Herrschaft aufgeschrieben. Es gab noch keine Rechtschreibregeln  und nur sehr wenige Vorlagen aus früheren Aufzeichnungen.

Wechselte die zu bezeichnende Person den Ort, so hatte der jeweilige Schreiber des neuen Ortes keine Vorlage, deshalb schrieb er den Namen, so wie er ihn hörte und daraus für richtig erachtete, oder wie es der regionale Dialekt, oder die aktuelle Schreibweise, die aktuelle Sprache zuließ.

Wechselte die Person im Amt, so wechselte auch schon mal die Schreibweise des Namens innerhalb des gleichen Ortes. Beim Übertragen von Namen eines älteren Eintrags in einen neuen Eintrag gab es Lesefehler und neue Schreibfehler.

Die Klarheit der Schrift des Schreibers mit spitzem oder stumpfem Federkiel, ruhiger oder zittriger Hand, beeinflussen auch heute die Transkription. Daraus lässt sich erklären, dass wir bei der Auswertung alter Dokumente Varianten in der Schreibweise der Namen finden.

Familien wollten sich von anderen Familien desselben Namens unterscheiden, deshalb setzten sie bei den Schreibern eine Schreibvariante durch. Wenn zwei oder mehr Brüder mit jeweils vielen Nachkommen im selben Ort oder Orten in geringer Entfernung wohnten und wenn in den jeweiligen Familien Kinder mit gleichen Vornamen getauft wurden, konnte Änderungen in der Schreibweise des Nachnamens erwünscht sein, um die Personen der Familien zu unterscheiden. Lange Namen wurden abgeküzt. Die Namen Roszke, Roschke,  Roszka, Roszek sind als Kurzform zu Roclawski anzusehen.

In meiner Familienforschung, begegnete ich Änderungen nach der Sprache, alte oder zur Zeit aktuelle Schreibweise, deutsche Schreibweise (Holtz, Holz), oder polnische Schreibweise (Holz, Holc). Namen wurden dem täglichen Sprachgebrauch entsprechend abgekürzt, so wurden Nicknamen zu Nachnamen . (Kulczynski, Kulczyk, Kula,  Kula, Kulla) ( von deutschen Behörden in einer Flurkarte aus 1810 dann Kuller statt Kulla) und später vom Pfarrer wieder eine andere Abkürzung (Kulzen) vorgeschlagen, weil die Familie nicht mit den Familien (Kulczyk) aus dem Nachbarort (Mukrz)verwandt waren. Interessant ist, daß die jüngsten Kinder dann um 1870 wieder als Kulczenski in der Taufe eingetragen sind.

Beispiele aus meiner Familienforschung.
Holtz, Holz, Holc.
Roclawski, Rocławski, w Rocławski, Raclawski, Racławski, Roczlawski, Rotzlawski, Roslawski, auch Rocław und Racław.
Kulczynski, Kulczyk, Kutzig, Kulla, Kuller, Kula, Kulczyk, Kulzen, Kulczenski.

In Deutschland (Preußen) wurde erst mit der Einführung der Standesamtsregister im Jahre 1874 die Schreibung der jeweiligen Namen verbindlich und eine Änderung nach Belieben nicht mehr zugelassen. Es wurden aber auch die damals bestandenen falschen Schreibungen zu rechtsverbindlichen Namen übernommen, weshalb es vorkam, dass Verwandte (Geschwister) zukünftig unterschiedliche Nachnamen hatten (Kula alias Kulczyk oder Kulczyk alias Kula.).

Im Rheinland in Deutschland, wurden Zivilregister durch die französiche Besatzung nach der Französichen Revolution am 21.3.1804 eingeführt. Diese Bücher waren wesentlich ausführlicher als die gleichzeitig geführten Kirchenbücher. Nach den Befreiungskriegen wurden diese Aufzeichnungen in dem ehemals französichen Teil der Rheinprovinz weiter geführt.